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Wappen

Family History

Entwurf vs.1.0

Colonna in Deutschland seit Marsilius Colonna 1258

Die "Stoll" - Geschichtliches Bild eines uralten Geschlechts.

von Konrad Haller, Nabburg

Eine markante Persönlichkeit des Lehrkörpers an der Nabburger Volksschule war Oberlehrer Max Stoll, zu dem ein Großteil der Nabburger in die Schule ging, und der am kulturellen und gesellschaftlichen Leben regen Anteil nahm. Im Jahre 1909 übernahm er hier die erste Lehrstelle, die damals noch mit dem Chorregentendienst der Kirche verbunden war. Er führte die Oberklasse der Volksschule. leitete die gewerbliche Berufsschule, die sich aus der früheren Fortbildungsschule entwickelt hatte, brachte den Kirchenchor zu einer beachtlichen Höhe, rief den eingeschlafenen Gesang- und Musikverein wieder ins Leben und nahm auch am gesellschaftlichen Leben lebhaften Anteil. Er wirkte in Nabburg bis zu seiner Ruhestands versetzung, 1939. siedelte nach dem Kriege, nachdem er im April 1941 seine Frau Maria, geb. Heßler, durch den Tod verloren hatte, zu seinem Sohn, dem bekannten Opernsänger Rudolf Stoll, nach Regensburg über. Dort ist er hochbetagt im 82. Lebensjahr gestorben, wurde aber am 23. August 1953 auf dem Friedhof zu Nabburg beigesetzt und ruht hier nun an der Seite seiner Gattin. Oberlehrer Max Stoll wurde 1871 in Obernburg geboren. Obernburg, ein Städtchen von etwa 3000 Einwohnern in Unterfranken am Main gelegen, ist Knotenpunkt der Bahn Aschaffenburg-Hiltenberg.
Ludwig Finkh erzählt in seinem Büchlein "der Ahnengarten" von einem schweren Folianten aus der Stuttgarter Landesbibliothek mit dem Titel "Johann Seifert: Stammtafel gelehrter Leute", Regensburg 1717, der in drei Teilen schön gedruckt und nun schon fast 250 Jahre alt ist, über die Herkunft der "Stoll".
"Dieses Geschlecht", heißt es da. "stammt aus Italien her und heißet allda Colonna, welches bis dato zu Rom in großem Flore ist, und daselbst bis in den 19. Grad gehet. Ihr Wappen ist eine gecrönte Seule im roten Felde. Vide Im-Hoff. Zwanzig Italiänische Familien. Gedruckt in Folio zu Amsterdam 1710, p. 218."
Dann beginnt es mit Marsilius Colonna, "geboren zu Aquileja 1258; (https://en.wikipedia.org/wiki/Aquileia) der Jüngste unter seinen Brüdern, ist der erste, so aus Italien nach Teutschland kommt; er nimmt seinen Sitz in Schwaben nahe bei Augspurg. Von diesem teilet sich seine Familie in die Märckische und die Fränkische Linien. Die Märkische gehet in die zu Zittau, Bautzen und Lauben; die Fränkishe Linie aber wohnet im Elsaß, Sundgau, Schwaben, Hessen, Wetterau, Frankfurt am Main, Memmingen, Regensburg, Stuhle, nennet sich Colonna, nachgehends zu Seule, und endlich Stolle, er starb im Jahre1340 alt 82 Jahre. Uxor Emmerenti von Hohm, eine Schwäbin von Adel, starb 1341, eine Mutter zu drei Söhnen."
Darauf folgt die Nachkommenschaft des 2., Volkmar Colonna bald zur Seulen, bald Stolle genannt. Der 3., Heinrich Stoll von Ravensburg. geb. 1324, starb 1408 und wird genannt "Stammvater aller Stolle in Schwaben." Uxor Anna Voglerin von Rubgarthen." Uxor das ist Ehefrau.
Interessant ist die Umwandlung des Namens. Der erste Colonna, der nach Deutschland kam, hat seinen Namen verdeutscht, denn Colonna heißt die Säule, man denke an Kolonnade, das ist ein Säulengang oder eine marschierende Kolonne, das ist eine Heersäule.
Warum er nun mit der Umdeutschung seines Namens in Säule nicht zufrieden war, läßt sich nicht sagen. Man kann vermuten, - da er sich ja bei den Schwaben befand -, dass der Name "Säule" von missgünstigen Mitmenschen mit dem bekannten Haustier in Beziehung gebracht wurde, mit der "Sau", eine junge Sau ist ein "Säule", was ihm missfiel. Kurz, er hat eine andere Umdeutschung, die das gleiche besagt, vorgezogen und ist bei ihr geblieben, nämlich "Stoll".
Nach Dr. Ernst Wasserzieher kommt dieser Name vom althochdeutschen "stollo", d.h. Stütze. Pfosten; gehört zur Sprachwurzel "stal". von der auch unser Hauptwort "der Stall" und das Zeitwort "stellen" herstammen. Es ist verwandt mit dem griechischen Wort "stele" das ist die Säule und dem altindischen Wort "athuna" das ist der Pfosten.
Von dem vor allem in Franken und Schwaben weitverbreitetem Geschlecht ist noch eine Persönlichkeit herauszuheben. Die Aschaffenburger Zeitungen brachten 1956 Erinnerungsbilder und Gedenkartikel über ihren vor 135 Jahren geborenen Heimatdichter Heinrich Gustav Stoll, denen ich nachfolgende Angaben entnehmen.
Der Dichter Heinrich Gustav Stoll wurde am 27. August 1821 in Obernburg geboren. Sein Großvater, der "alte Lehrer" Stephan Ignaz Stoll, war 61 Jahre lang ununterbrochen im Schuldienst in Damm und starb dort mit 79 Jahren. Sein Sohn Jakob, des Dichters Vater war auch in Damm geboren worden, war aber Lehrer in Obernburg. Dort unterrichtete er den künftigen Dichter in den ersten Jahren selbst, bis er ihn von 1832 bis 1840 auf das Aschaffenburger Gymnasium schickte. Dann bezog er fünf Jahre lang die Universität und die Forstakademie in Würzburg und ging dann in den staatlichen Forstdienst. Da hielt er sich ein Pferd aus Lust am Reiten.
Dieses Pferdchen verdarb ihm seinen erwählten Beruf. Eines Tages warf es ihn Hals über Kopf ab. Der Reiter brach das Schlüsselbein und mußte die Forstlaufbahn aufgeben. So ging er in den Finanzdienst an das Rentamt in Aschaffenburg. Dort blieb er bis zu seinem frühen Tode am 18. März 1864, kaum 42 Jahre alt. Er wurde im Altstadtfriedhof beerdigt. wo sein Grab noch heute erhalten ist. Seine Witwe Amali überlebte ihn um 48 Jahre und starb mit 88 Jahren 1912.
Neben seinem Brotberuf lebte er seiner Neigung zur Dichtkunst: er dichtete und schrieb unablässig. Zuerst erschienen seine Gedichte in der Beilage "Erheiterungen" der Aschaffenburger Zeitung. Gesammelt erschien 1853 der Band "Heideblüten" und 1860 "Moorröslein." Seine stille Liebe aber gehörte dem Drama. Hier verarbeitete er mit Vorliebe heimatliche Sagenstoffe, genannt sei nur unter vielen anderen sein historisch romantisches Drama. "Die Säge von der Kugelburg" und "Das Goldbacher Kreuz". Er wurde mit den bekannten Dichtern seiner Zeit in gleichem Atemzug genannt. Seine Gedichte wurden gleichwertig neben die Werke der vielgerühmten Dichter Geibel und Uhland gestellt. Sein großes Drama "Das Kätchen in der goldenen Rose in Stockstadt" wurde 1864 von Theaterdirektor Hommel am Stadttheater uraufgeführt. Im gleichen Jahr starb Gustav Stoll. Die Höhe seines kleinen Ruhmes war erreicht, mitten im Zenit seines Schaffens wurde er abberufen. Seine Bücher gehören heute zu den bibliophilen Kostbarkeiten Aschaffenburgs.

Referenzen

  • Oberlehrer Max Stoll, Nabburg (1871-1953)
  • Opernsänger Rudolf Stoll, Regensburg
  • Marsilius Colonna, "geboren zu Aquileja 1258 (https://en.wikipedia.org/wiki/Aquileia)
  • Uxor Emmerenti von Hohm,1341
  • Volkmar Colonna bald zur Seulen, bald Stolle
  • Heinrich Stoll von Ravensburg. geb. 1324, starb 1408
  • Uxor Emmerenti von Hohm, eine Schwäbin von Adel, starb 1341
  • Ludwig Finkhs Büchlein "der Ahnengarten“
  • Johann Seifert: Stammtafel gelehrter Leute, Folianten aus der Stuttgarter Landesbibliothek Regensburg 1717
  • Colonna Wappen ist eine gecrönte Seule im roten Felde
  • Im-Hoff. Zwanzig Italiänische Familien. Gedruckt in Folio zu Amsterdam 1710, p. 218
  • Dr. Ernst Wasserzieher
  • Stephan Ignaz Stoll, Damm 1790? bis 1869, Oldernburg
  • Aschaffenburger Zeitungen, 1956 Erinnerungsbilder und Gedenkartikel über Heimatdichter Heinrich Gustav Stoll
  • Heinrich Gustav Stoll,17.8.1821 bis 1864
  • Heinrich Gustav Stoll: Heideblüten H
  • einrich Gustav Stoll: Moorröslein
  • Heinrich Gustav Stoll: Die Säge von der Kugelburg
  • Heinrich Gustav Stoll: Das Goldbacher Kreuz
  • Heinrich Gustav Stoll: Das Kätchen in der goldenen Rose in Stockstadt, Drama, 1864
  • Dichter Geibel
  • Dichter Uhland
  • Theaterdirektor Hommel am Stadttheater 1864 uraufgeführt
    Bearbeitet am 16. Juni 2017 nach Unterlagen im Familienarchiv von Prof. Dr. Dietmar H Wittmann, Enkel der Elisabeth Stoll. Einzelheiten siehe Stammbaum auf Seite 1.
    Die Information werden noch weiter ergänzt, sobald die Nachforschungen zusätliche Erkenntnisse offenbaren.