Weihnachten 1999

Fin de Siècle

 Ja, Fin de Siècle Stimmung – davon ist die Atmosphäre voll – hier in Amerika. Alles ist im Aufwind. Heute wurde im Public Radio Hillary Clinton, nicht nur als die First Lady der USA – nein sogar als First Lady der ganzen Welt vorgestellt. Mit dieser Ansicht haben die Chinesen sicherlich ihre Probleme, nicht aber die Amerikaner. Hier wird alles positiv gesehen. Die Wirtschaft blüht. Der Wohlstand wächst. Vollbeschäftigung besteht seit Jahren. Die Börse ist allen zugänglich, Clinton ist nach allem der Größte und gute Kandidaten für die Nachfolge sind  gespottet. Die Stimmung hier ist unbeschreiblich euphorisch. Es muss ähnlich am Ende des letzten Jahrhunderts gewesen sein. Wir beginnen dieses Fin de Siècle Gefühl zu verstehen, eine Stimmung, die wir in der Zeit nach zwei Weltkriegen jedoch nie so richtig nachvollziehen konnten .
   
1999 war Annemareis Jahr. Sie hat ihr Studium abgeschlossen – wir alle sind mächtig stolz –und nun ist sie Frau Dr. Wittmann und behandelt Patienten im New York University Downtown Hospitallebt in Manhattan mit Blick auf das Empire State, Building, und hat kaum Zeit, sich von der unbeschreiblichen Lebendigkeit dieser
Annas Graduation faszinierenden Metropole verführen zu lassen. Hier im Bild zeigt Annemarei ihr Doktor Diplom nach der Abschlussfeier. Man kann ihr eine gewisse Freude nicht absprechen {short description of image}

 Das zweite Ereignis des Jahres ist im Bild unten links zu sehen. Sabine Elisabeth Wittmann wurde am 30. Juni in Baltimore geboren. Lisa hat das, wie alles was sie macht, elegant erledigt und wir durften schon 3 Stunden nach der Geburt zu ihr. Mark war natürlich von Anfang an dabei und wich nicht von ihrer Seite bis es vollbracht war, und wir sind alle dankbar, daß das Baby gesund ist.
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 Mark fühlt sich in „seiner Johns Hopkins University“ sehr wohl und wir sind glücklich über die Anerkennung, die ihm von Kollegen und Lehrern zuteil wird. Nun zu uns. Unsere beiden Mütter besuchten uns im Sommer in Brookfield und wir hatten schöne Tage mit Lona, die im August mit uns ihren 85 Geburtstag feierte. Liesel, war im September bei uns. Die Landschaft in Wisconsin, mit seinen farbigen Feldern und Wäldern, mit seiner wild romantischen „Ostsee“ Küste (Lake Michigan in Wisconsin ist wie die Ostsee in Holstein) taucht im Spätsommer in ein eigenartig faszinierendes helles Licht, das einem das Gefühl gibt, man könne tiefer atmen, mehr erleben. Heidi sagt, „ die Himmel ist hier so hoch“. Schön, daß wir das mit unseren Müttern teilen konnten.

 Das Jahr ging schnell vorüber, und wir sind wie immer viel gereist; diesmal vielleicht ein bißchen weniger weit als sonst, dafür häufiger nach Baltimore. Neujahr erlebten wir wieder in Mexiko in Ixtapa. Dieses Jahr hatten wir eine miserable Köchin, was jedoch unserer schlanken Linie dienlich war.
 Die Kinder – und auch in diesem Jahre waren sie alle dabei – genossen das gute Wetter und auch das Familienleben mit viel Diskussionen. Annas Freundin Deborah Saudek war mitgekommen und hat mit ihrer Frische für zusätzliche Würze in un-seren Familienferien gesorgt. Debbie arbeitet jetzt als Internistin an der Boston University.
 
Im April sind wir dann gemeinsam in das Citrusland gefahren um zu erforschen, ob wir in naher Zukunft in Florida leben möchten. Ein 4 Acker Grundstück in Citrushill am Mustang Boulevard von Crystal River hatte es uns angetan – aber als wir dann, von der Laguneninsel Longboat Key aus, den phantastischen türkis-blauen Golf sahen – kamen wir zu der Erkenntnis, dass es für eine endgültige Entscheidung ein bißchen zu früh war. So werden wir im Januar 2000 vor Ort weitersuchen 
  
Im April waren wir zum ersten Mal in dem sehr attraktiven Seattle, eine aufstrebenden Stadt mit einem ganz eigenem, fast „hamburgischem‘ Flair. Der Wohlgeschmack der am Fischmarkt frisch geräucherten Lachse liegt uns immer noch auf der Zunge. Dort trafen wir während des SIS Kongresses viele Freunde und verbrachten dann noch einige Zeit bei Bob und Marsha Condon, meinem ehemaligen Chef und seiner Frau, die ein Haus in einem Rhododenrongarten für ihren idealen post professional Lebensraum gewählt haben
 
Im Mai und Juni sahen wir viele, jedoch nicht alle Freunde in Hamburg, da Dietmar zu viel husten musste. Das Husten zog sich dann auch noch bis Juni hin und verringerte den Lustgewinn in Oslo, wo wir zur Jahrestagung der Europäischen Surgical Infection Society geflogen waren. Außerdem regnete es dort – Schade, doch Heidi genoss die Stadt trotzdem.
 
Neben vielen kleineren Reisen ist noch unsre Tour nach South Carolina bemerkenswert. Hilton Head mit seiner Atlantik Küste war ein tolles Urlaubserlebnis. Die angrenzenden Städte Charleston und Savannah überraschten uns mit Ihrem südstaatlichem Charme. Das tropische Grün schmückt beide Städte und trägt dazu bei, daß man sich wohl fühlt. Allen unseren Freunden wünschen wir frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in das Neue Jahr, in das neue Jahrhundert, in das neue Jahr-tausend. Wow! Y2K (weihtuhke) kommt be-stimmt, und bringt hoffentlich nur Gutes. Dies wird wahrscheinlich der letzte Jahres-wech-sel sein, den wir in Wisconsin verbringen. Eine sehr schöne Episode in unserem Leben wird damit abgeschlossen. Mit Freude blicken wir in die Zukunft – vielleicht im Land der Sonne.
 Wisconsin
Brookfield, im Dezember 1999 
Dietmar und Heidi,  
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