April 2002 ( Weihnachsbrief 2001)

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Unser traditioneller Weihnachtsbrief wird nun ein Gruß im Frühjahr. Ja, wir sind am 12.Oktober in unser neues Haus auf Casey Key eingezogen - und noch mehr Veränderungen haben das vergangene Jahr ereignisreich gemacht. Nachdem wir nach Florida gezogen waren, besuchten Mark und seine Familie uns häufiger und sie stellten fest, dass ihnen das Leben in der Sonne und am Wasser gefallen könnte. Im März starteten wir für Marks größer werdende Familie die Haussuche in Sarasota. Mit einigen Schwierigkeiten wurde ein geeignetes Haus gefunden, denn am 29. Mai gab es bei Mark und Lisa Familienzuwachs und mit der kleinen Meike Eleanore wurde das Familienleben einmal wieder auf die Geduldsprobe gestellt. Inzwischen ist Meike ein richtiges Geschwisterkind für Frederike (7) und Sabine (2)

GWW in Dec 2001

Seit August arbeitet Mark als Anästhesist in einem Sarasota Memorial Krankenhaus spezialisiert auf Herzanästhesie. Lisa kümmert sich vorerst um die Familie. Wir genießen die Nähe der Enkelkinder und ihrer Eltern sehr. Im Sommer fanden wir nun auch, daß es nach den atemberaubenden Bauereignissen Zeit wurde, in das eigene Haus auf Casey Key umzuziehen. Wir machten also Dampf und nach vielen Tagen Handanlegen, weil einige Handwerker einfach nicht kamen, erhielten wir, als der Umzugswagen vor der Tür stand, die Einzugsgenehmigung.

Das Haus ist noch nicht fertig, aber wir haben alles ausgepackt, eingeräumt und konnten unter einem wunderschönen, 4 m hohen Tannenbaum mit der Familie, leider ohne Annemarei, Weihnachten feiern. Annemarei besuchte uns aber in der ersten Januarwoche, wie so oft, die kälteste Woche im Jahr. So auch dieses Jahr und unsere Tochter erwischte sehr kalte Tage. Als Anna John Lilian sie mit ihrem Freund John mal eben kurz über Labor Day mit dem Auto kam, um einen Tag am Strand zu verbringen, war der Strand wegen einer roten Algenverseuchung mit Tausenden von toten Fischen übersät. Es stank furchtbar und wieder konnte Annemarei nur im pool baden.

Wir waren in die Sonne gezogen, weil Dietmar sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte. Im Frühjahr kam ihm die Idee, dass er vielleicht doch wieder ab und an operieren möchte und meldete sich bei einer Zeitarbeits- Firma, die Ärzte zu Praxisvertretungen vermittelt. Im August flog er nach Wisconsin, um in der Marshfield Clinic der University of Wiscsonsin vier Wochen auszuprobieren, ob er noch operieren kann. Er konnte nicht nur, sondern es machte ihm aus wirklich Spass. So hat er dann auch noch im Winter 9 Wochen Vertretung dort gemacht. Diese Art von Arbeit scheint hier nichts Ungewoehnliches zu sein, so dass Dietmar plant, einige Monate im Jahr "am Ball", d.h. im OP zu bleiben.

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Außer kürzeren Reisen nach Europa haben wir wegen des Hausbaus nur eine Kurzreise anlässlich Heidis Geburtstags gemacht. Ihre Mutter war zu Besuch und kurz entschlossen, weil unsere Kinder keine Zeit für einen Besuch in Florida hatten, haben wir uns ins Auto gesetzt und sind im Mai nach Norden gefahren. In den Smokey Mountains begannen die wilden Azaleen und Orchi-deen zu blühen, die Wiesen leuchteten blau, weiß und rosa unter einem klaren Fruehsommer- himmel.

Unser Ziel war Charlottesville, wo Annemarei uns für den Abend auf eine ehemalige Plantage zum Abendessen eingeladen hatte. Gespeist wurde wie in einer Großfamilie: alle Gäste erhielten das gleiche {short description of image}vorzügliche Menü. Vor dem Essen spazierten wir durch die Parkanlage, es war bereits ein Sommerabend mit den Düften des Südens bei untergehender Sonne, und wir genossen einen wunderschönen Geburtstag. Anschließend saßen wir bis in den frühen Morgen auf Annemareis kleiner Terrasse und selbst meine Mutter, Lona, wurde nicht müde bei all unse- ren Diskussionen.

Am folgenden Tag fuhren wir nach Baltimore zu Mark und Lisa, bei denen wir einen unterhaltsamen Abend und ein gemütliches Frühstück verbrachten. Dann ging es schon wieder nach Hause mit einem Abstecher nach Charleston, Süd Carolina. Alles in allem ein gelungener Geburtstag.

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Den Sommer verbrachten wir mit der Hausplanung und versuchten, so häufig wie möglich an den Strand zu gehen. Unsere Gäste, erst Lona, dann Ingrid, waren ein Garant dafür, dass wir unsere Strandgänge nicht vernachlässigen! Ingrid hat uns in diesem Frühjahr wieder besucht und danach dann Dietmars Familie: seine Mutter und sein Bruder Volker mit Sohn Nils. Im September folgte Dietmar einer Vorlesungseinladung nach Pakistan, von Karachi nach Islamabad und an die afghanische Grenze. Einen Tag nach seiner Abreise traf uns auf unserer Insel ein Hurricane und zerstörte Hausanlagen und die Stromversorgung für mehrere Tage. Drei Tage später traf uns alle der unfassbare Terror einiger Fanatiker.

In jenen Tagen haben wir das Mitgefühl vieler Freunde gespürt, aber auch erlebt, was den Amerikanern ihre Nation bedeutet: die Menschen wurden leiser, öffneten sich ihren Nachbarn noch mehr als bisher schon und beeindruckend war, wie öffentlich immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass dieses nicht die Zeit des Hasses, sondern der Versöhnung sei.

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Dieses Gefühl wurde auch Dietmar in Pakistan von seinem Auditorium vermittelt, als er dennoch seine Vorlesung gehalten hat, denn Ärzte seien zum Helfen verpflichtet. Ich machte mir große Sorgen um Dietmars Wohlergehen, doch er verließ das Land auf Anraten der amerikanischen Botschaft einen Tag früher als geplant. Bleibt uns nur zu hoffen, dass die Menschen in Afghanistan ein Leben in Freiheit und Frieden vor sich haben. Inzwischen sind wieder einige Monate ins Land gegangen und Israel greift Palestina an, weil es sich in seiner Existenz bedroht fuehlt, wãhrend die Palestinenser um ein eigenes Land kämpfen. Wird der Nahe Osten jemals in Frieden leben können? Wir üenschen allen Freunden und Verwandten ein friedvolles Jahr.

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