Frohe Weihnachten 2002

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Dieses Jahr bedeckt sich am 1. Advent der Himmel über Florida mit grauen Wolken und wir erinnern uns an die besinnlichen Adventstage im Norden. Zunächst wünschen wir all unseren Freunden schöne Festtage, einen guten Rutsch in das nun schon 3. Jahr dieses Jahrtausends und ein friedvolles Neues Jahr. Mögt Ihr alle gesund bleiben und mögen alle kleinen und großen Wünsche in Erfüllung gehen.

Den letzten Weihnachtsbrief schrieben wir im Jahr 2000. 2001 waren wir vom Hausbau und erneutem Umzug zu erschöpft, dass wir einfach Ruhe brauchten. Heidi hat dann noch mal im Frühjahr versucht, einen Informationsbrief zu verfassen, um zumindest allen unsere neue Anschrift mitzuteilen. Der Brief ist aber nie zur Post gelangt und wir haben ihn schließlich einfach auf unserer Webseite unter Weihnachten 2001 abgelegt, wo ihn Interessierte lesen können.

 Picture of Lauel AVENUE HOUSE
 GWW Summer 2002 front view
   

Zunächst sei erwähnt, dass unser Sohn Mark seine Ausbildung an der Johns Hopkins Universität abgeschlossen hat und nach nahtlosem Übergang hier im Sarasota Memorial Hospital Patienten schonungsvoll durch Operationen, vorwiegend Herzoperationen, führt. Gerne halfen wir Mark und Lisa bei der Haussuche, beim Umzug und der Organisation vieler kleiner Probleme, insbesondere weil Lisa ihr drittes Kind erwartete. Meike Eleanor wurde kurz vor dem Umzug noch in Baltimore am 29. Mai geboren, ein gesundes, inzwischen sehr fideles Mädchen. Das Haus, in dem Mark mit seinen vier hübschen Damen 20 Minuten entfernt in Sarasota wohnt, ist schön geräumig und praktisch, hat einen Pool und Garten voller Orangenbäume. Die junge Familie wird gütig von Lisa dirigiert, die nun auch wieder in Teilzeit als Kinderärztin tätig ist. Häufig sind alle bei uns, besonders weil die Kleinen gerne in unserem Sprudelbad schwimmen und jede Menge Puppenstuben zum Spielen einladen.

Annemarei geht ihrem Ausbildungs-Ende an der University of Virginia in Charlottesville entgegen. Sie ist weiterhin vergnügt und zufrieden und wird vielleicht an der Uni eine akademische Laufbahn wählen; vorerst wird sie ein weiteres Jahr als Fellow in Virginia zu bleiben. Seit dem Sommer lebt sie zusammen mit John in einem Landhaus, das zwar klein sein soll, aber einen schönen Wald und Garten hat, in dem Annemarei Gemüse anbaut. John interessiert sich für Musik und Philosophie und nutzt in einem Juristenverlag mit seinen hervorragenden Kenntnissen in der modernen Digitalwelt. Beide scheinen sehr glücklich zu sein.

Nun zu uns: Das unsere ersten Florida-Erfahrungen bestimmende Ereignis war der Hausbau, der Kraft beanspruchte - mehr als wir ursprünglich planten und auch mehr als wir geben wollten. Nun, das Ergebnis ist ein schönes Haus auf einer schönen Insel mit einem schönen Garten und einem Panoramablick auf den Golf im Westen und Südwesten und auf den Intracoastal Waterway im Osten und Norden. Anfänglich hatten wir aus lauter Begeisterung Momentaufnahmen von jedem Bauabschnitt auf unsere Webseite gebracht. Damit wollten wir den Fortschritt des Baus dokumentieren. Nach einem halben Jahr verblasste dieser Wunsch immer mehr und erstickte im wohl unvermeidbar mit Hausbau verbundenen Ärger. Erst in diesen Tagen kümmern wir uns wieder um unsere Webseite, die dringend aktualisiert werden muss. Viele von Euch, die mal gucken wollten, wie weit wir nun sind, werden sich gewundert haben. Wir bitten zutiefst um Entschuldigung.

Im Oktober, als dann die Einzugsgenehmigung greifbar nahe zu sein schien, teilte der Geländer-Fritze uns mit, daß er das im Juni bestellte Geländer nicht vor Dezember liefern könne - ohne Geländer keine Genehmigung - und wir brauchten viele Meter Geländer! Was tun? Das Internet!! Innerhalb von fünf Nachtstunden hat Dietmar einen Geländer-Lieferanten in Georgia ausfindig gemacht, der uns die Geländer zwei Tage später zum Eigenbau anlieferte. Dietmar, mit kräftiger Hilfe von Mark, schaffte es in einer Woche, das Geländer zu errichten. Ohne größere Beanstandung bekamen wir die Einzugsgenehmigung und das letzte Abenteuer, der Umzug in das neue Haus konnte beginnen.

Viel Arbeit blieb an Heidi hängen, denn Dietmar musste im November wieder nach Wisconsin, weil er bei seinem ersten Fluchtversuch vor dem Hausbau im August und September eine Vertretung als Unfallchirurg in Wisconsin angenommen hatte und den Kollegen versprochen hatte, nach dem Umzug wiederzukommen. Dietmar genoss es, wieder einmal chirurgisch tätig sein zu können, Assistenten und Studenten zu unterrichten, Patienten zu betreuen, kurz - all das zu machen, was er immer gerne und mit Erfüllung getan hat, und das zu tun, wovon er mehr versteht als vom Hausbau einerseits und vom Leben als Rentner andererseits. Ja, das Rentnerdasein muss gelernt sein und ist nach einem erfüllten Berufsleben schwer, besonders wenn man seinen Beruf liebte. Heidi hatte diese Situation mit Fassung getragen, kannte sie doch die Entzugserscheinungen aus eigener Erfahrung, als wir nach Wisconsin zogen und sie ihren geliebten und erfüllenden Beruf aufgeben musste. Gerade letzte Woche hatte sie ein 20 jähriges Klassentreffen und konnte mit Stolz feststellen, dass alle ihre Schüler mit ihrem Leben in soliden Berufen zufrieden sind.

Trotz unseres Intensivkurses in Hausbau blieb noch etwas Zeit für Reisen. Im April und Mai 2001 waren wir in Hamburg, wo Dietmar Vorlesungen an der Uni über Chirurgische Infektionen angemeldet hatte. Im Sommer sind wir mit unseren lieben Freunden Pat und Charlie Aprahamian aus Wisconsin nach Europa gereist, wo wir zu Ursula Käseborns Hochzeit mit Martin in Südtirol eingeladen waren und von dort über Venedig, Graz, Wien nach Dresden und Berlin fuhren. Im Mai 2002 waren wir zum ersten Mal in Madrid und Toledo. In Madrid fand die erste gemeinsame Jahrestagung der amerikanischen und europäischen Surgical Infection Society statt und Dietmar hatte mit zwei seiner Wisconsin Assistenten Präsentationen. Madrid und Toledo haben uns mit ihrer lebendigen und kulturell ausdrucksreichen Schönheit beeindruckt. Die Tage danach in Hamburg waren wie immer ausgefüllt mit Besuchen bei Freunden und Familie, aber dann freuten wir uns doch, auf unsere geliebte Insel zurückzukehren.

Der Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre muss natürlich auch die erschütternden Ereignisse vom 11. September einschließen. Dietmar sah den Terroranschlag auf seinem Hotelzimmer in Karachi, als er von einer Vorlesung in Hyderabad zurückkehrte. Es schien unfassbar, was dort geschah - direkt vor unseren Augen. Dieser Meuchelmassenmord ist auf dem selben Niveau wie der von Marcel Reich-Ranicki so glaubhaft beschriebene Massenmord im Warschauer Ghetto und Treblinka. Dietmar wollte zunächst die am folgenden Morgen geplante Vorlesung an der berühmten Agha Khan University ausfallen lassen - hat es sich aber dann anders überlegt. Der Dean der Universität ist persönlich gekommen, um das Geschehen im Namen aller zivilisierten Moslems zu verurteilen und um zu zeigen, dass 9/11 nicht nur amerikanisches Leid ist, sondern dieses Leid von allen, auch von den Moslems mitgetragen wird. Dietmar selbst sah sich veranlasst, im ersten Teil seiner Rede betont politisch das Gemeinsame aller Menschen im Kampf gegen die Unmenschlichkeit hervorzuheben. Es muss wohl gelungen sein, denn noch nie hat er sich so wohl und heimisch in der moslemischen Welt gefühlt wie bei den anschließenden Diskussionen.

Nun können wir nur hoffen, dass George Bush mit den von ihm Erwählten eine glückliche Hand hat, nach den diabolischen Entgleisungen die Menschheit zur Menschlichkeit zurückzuführen.

Der grüne Weihnachtsbaum als Symbol von Frieden und Hoffnung, geschmückt mit Lichtern, die unsere Herzen öffnen. So stand dieser erste Baum in unserem neuen Haus und wird hoffentlich noch an vielen Weihnachtsfesten die Familie zusammenführen.

 Bilder aus dem Jahre 2002